Dienstleistungsökonomie

Warum wir die Volkswirtschaft zur Dienstleistungsökonomie transformieren müssen

Deutschland verpennt die Potenziale des mobilen Internets

Siri steht derzeitig außer Konkurrenz. Weder Android noch ein anderes mobiles Betriebssystem kann aktuell eine automatische Sprachsteuerung vorweisen, die so funktioniert, wie auf dem iPhone 4 S. Ob sich Apple mit der neuen Mensch-Maschine-Interaktion gegen Google behaupten kann, ist unter Experten umstritten. Unbestritten ist die herausragende Qualität von Siri, die auch den Entwicklern von Sprachapplikationen wieder Auftrieb verschaffen könnte. Das Image der Sprachsteuerung ist durch eher kümmerliche Call Center-Anwendungen in den vergangenen Jahren beträchtlich ramponiert worden.

„Rund die Hälfte der Systeme hat mittlerweile zehn bis fünfzehn Jahre auf dem Buckel. Hier gibt es einen extremen Investitionsstau. Diese Technologien verkümmern und sollten lieber abgeschaltet werden. Auch Mitarbeiter im Call Center müssen ständig geschult werden. Gleiches gilt für Sprachcomputer", konstatierte Professor Wolfgang Wahlster, Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), bereits vor zwei Jahren. Leider komme das Thema Self Service in vielen Firmen nicht in den Top-Etagen an. Folgeinvestitionen in smarte Dialogsystemen würden daher ausbleiben. An den dummen und alten Systemen leide die gesamte Branche.

Mit Siri könnte die Stagnation beim Einsatz von Sprachapplikationen in der Servicebranche überwunden werden. „Das System von Apple hat hat ein gutes Dutzend Apps im Hintergrund, mit denen es kommuniziert: Dazu zählen Wetter, Börse, Kalender, Wikipedia, Wolfram Alpha, Kontakte, oder Notizen. Diese Apps sind sehr gut ausgewählt, weil sie sich auf die wirklich relevanten Szenarien des Nutzers konzentrieren. Jeder Einsatz von Siri geht direkt auf die Server von Apple. Der Konzern baut damit eine gigantische semantische Wissensbasis auf. Wenn das gelingt, gerät sogar Google in Gefahr“ vermutet Bernd Stahl, Netzwerkspezialist von Nash Technologies in Stuttgart. Die physische Spracherkennung sei ja noch der einfachste Teil.

„Die Königsdisziplin ist die Erfassung der Bedeutung, losgelöst von der gerade gesprochenen Sprache, aber abhängig von Person, Ort, und Dialekt. Wichtig ist auch eine korrekte Verlinkung zu existierenden Inhalten im Web. Hier kann Apple eine sehr wertvolle Wissensbasis für neue und höchst intelligente mobile Dienste erschaffen“, betont Stahl gegenüber Service Insiders. Völlig unverständlich sei es, dass sich bislang in Deutschland keine wirklich ernstzunehmenden Startups finden, die siri-ähnliche Funktionen auf das Smartphone bringen mit einer lokalen Ausrichtung und Server im Hintergrund, die in Deutschland stehen. Hier sollten wir mehr Geistkapital investieren, um nicht den Anschluss im mobilen Internet zu verlieren.

Deutschland verliert wichtiges Wachstumsfeld

Zu einem ähnlichen Befund gelangt auch der Wiwo-Blogger Sebastian Matthes. Eine noch nicht veröffentlichte Comscore-Studie belegt, dass es in Deutschland nicht nur beim Kurznachrichtendienst Twitter langsamer vorangeht als anderswo – sondern im gesamten Wachstumsfeld des mobilen Internets.

„Und das ist ein Problem. Ist doch das mobile Internet eines der wichtigsten Wachstumsfelder der IT-Industrie, wo gerade die Technologien entstehen, die in wenigen Jahren unseren Alltag beherrschen werden – von der Handyzahlung, über Sprachsteuerung bis hin zur Vorhersage von Entscheidungen anhand unseres Verhaltens. Immer weniger davon kommt davon aus Deutschland“, so Matthes.

Es werde auf Dauer nicht reichen, immer wieder auf die Innovationskraft unserer Auto- und Maschinenbauindustrie hinzuweisen. Diese Branchen seien wichtig und ein Grund für Deutschlands derzeitige wirtschaftliche Stärke, keine Frage. „Aber wollen wir uns wirklich von einem der wichtigsten und spannendsten Wachstumsfeder der Zukunft abmelden, fragt sich Matthes. Für die Servicebranche macht sich das schon heute negativ bemerkbar. Weder werden smarte Möglichkeiten neuer IT-Technologien genutzt, noch wird auf den Kunden zu- und eingegangen. Den Schlafmützen bricht nun die Geschäftsgrundlage weg.

Siehe auch:

The European-Montagskolumne „Bitte warten (Sie nicht mehr)“

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